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INQA-Bewertungssystem für Epoxidharz-Produkte

Epoxidharze gehören zu den leistungsfähigsten Produktgruppen im Baugewerbe. Für die  Branche sind sie bei Bodenbeschichtungen, Korrosionsschutzbeschichtungen, als Reparaturmörtel bei der Betonsanierung und anderen Einsatzbereichen unverzichtbare Werkstoffe. Die Epoxidharze bergen jedoch eine Gefahr, die in den letzten Jahren zu steigenden Erkrankungen bei Malern und anderen Berufsgruppen geführt hat: Epoxidharze, die mit dem Gefahrensatz R 43 gekennzeichnet sind, können sensibilisierend wirken und die Ursache von Allergien sein. Die von den Berufsgenossenschaften geführten Statistiken weisen bei den bestätigten Epoxidharzerkrankungen in den Jahren 2002 bis 2007 den Maler mit 159 Erkrankungsfällen an 2. Stelle aus, übertroffen nur von Boden- und Fliesenlegern mit 176 Fällen. Die Allergien werden durch Kontakt ausgelöst. Gefährdet sind vor allem die Hände oder auch Beine beim (ungeschützten) Mischen der 2K-Materialien.

Die vielen Anstrengungen in der Vergangenheit, bessere Informationen zu dem Thema zu vermitteln, sei es die Benennung von geeigneten Handschuhfabrikaten über GISBAU, sei es der Aktionsplan der Deutschen Bauchemie oder auch die eigenen Informationen der betroffenen Branchenverbände, haben leider keinen großen Erfolg gezeigt. Da feststeht, dass Epoxidharze derzeit technisch kaum durch andere ungefährliche Produkte ersetzt werden können, wird mit dem INQA (Initiative neue Qualität der Arbeit)-Bewertungssystem für Epoxidharzprodukte ein neuer Ansatz gewählt, der vor allem auf ausführliche produktbezogene Informationen und auf innovative technische Lösungen setzt, die das Risiko beim Verarbeiten ? und hier vor allem beim Mischen der Materialien ? minimieren.

Das INQA-Bewertungssystem für Epoxidharzprodukte ist eine Positivliste von unter Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes ?gut? bewerteten Produkten, die im Internet unter der Adresse www.inqua-epoxibewertung.de de zu finden ist.

Das Bewertungssystem ruht auf drei Säulen:

1. Technisches Merkblatt, Werbung und Herstellerinfos

Der Hersteller des Epoxidharzes kann hier Pluspunkte sammeln:

- bei einem Verweis auf aktuelle Infobroschüren

- bei ausdrücklichen Hinweisen auf mögliche Ver-
 
ätzungen oder Sensibilisierungen

- bei Hinweisen auf geeignete Handschuhe und Hand-
 
schuhfabrikate

- bei Angaben zum richtigen Dosieren zum langsamen
 
 Anrühren

- bei Hinweisen zum Arbeitsschutz beim Reinigen der
 
 Geräte

- wenn sogar ein geeignetes Handschuhfabrikat mit-
 
geliefert wird oder

- Schulungen mit arbeitsschutzrelevanten Inhalten zu
 
 Epoxidharzen angeboten werden.

 

2. Kriterium Verpackung auf Baustellen

Pluspunkte haben Gebinde mit Durchstoßvorrichtung oder wenn geeignete Handschuhe vom Epoxidharzhersteller mit angeboten oder sogar mit geliefert werden. Pluspunkte gibt es ebenfalls, wenn beim Anmischen gar kein Hautkontakt stattfinden kann, wie zum Beispiel mit Knetbeuteln oder Verarbeitungspistolen.

 

3. Kriterium Sicherheitsdatenblatt

Wie auch bei den anderen Punkten müssen die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten werden. Pluspunkte gibt es beim Sicherheitsdatenblatt für viele Informationen, die ausführlicher sind als im Sicherheitsdatenblatt normalerweise gefordert. Beim Hand- und Hautschutz wären dies zum Beispiel nicht nur Handschuhmaterial, Materialdicken und Tragedauer, sondern die zusätzliche Angabe des Fabrikates und die maximale Tragedauer, wie zum Beispiel Hinweise zum Wechseln von Schutzhandschuhen.

 

Bewertungsschwerpunkt und Positivliste:

Bewertungsmäßig wird der Schwerpunkt jedoch auf dem Technische Merkblatt und technischen Lösungen, die durch sichere Gebinde erreicht werden, gelegt, da in der Praxis das Sicherheitsdatenblatt vom Verarbeiter nur selten gelesen wird. Hersteller, die genug Pluspunkte in den drei Kriterien sammeln, werden in eine Positivliste aufgenommen und sind im Internet zu finden (www.inqua-epoxibewertung.de). Man erhofft sich hierdurch einen marktwirtschaftlichen Effekt. Es werden Anreize für die Hersteller geschaffen, möglichst viele und gute Informationen zur Verfügung zu stellen, so dass letztlich die Produkte gekauft werden, die auch dem Verarbeiter die Möglichkeit bieten, den richtigen Arbeitsschutz durchzuführen.

Aus Sicht des BVK ist das System positiv zu bewerten. Es werden keine Verbote oder Einschränkungen ausgesprochen, sondern man hofft auf die positive Kraft des Marktes.

Außerdem wird neben dem Verarbeiter (der ja sonst immer als erster als schuldig angesehen wird, wenn es um falsch durchgeführten Arbeitsschutz geht) der Schwerpunkt auch auf die Hersteller verlagert, die über das System angeregt werden, überhaupt vernünftige Informationen zum Arbeitsschutz zur Verfügung zu stellen.

Natürlich ist das System nicht perfekt. So gab es auf der Abschlussveranstaltung im Oktober 2008, auf der das Bewertungssystem vorgestellt wurde, nicht nur Lob, sondern auch kritische Anmerkungen.

Zum Beispiel merkte Vorstandsmitglied Heiner Stahl für den Bundesverband Korrosionsschutz an, dass Gebindelösungen wie Durchstoßgebinde oder Knetbeutel natürlich für den Korrosionsschutz, wo jedes Jahr mehrere hundert Tonnen Epoxidharz von einem großen Betrieb verarbeitet werden, nicht in Frage kommen. Er sagte, dass ein sicherer Umgang schon allein deshalb im Interesse der Betriebe sei, da qualifizierte Mitarbeiter zunehmend zur Mangelware in der Branche werden: ?Wir können uns keine Erkrankungen und keine damit verbundenen Entlassungen leisten.? Außerdem regte er an, auch die Nicht-Fachbetriebe stärker ins Blickfeld zu nehmen.

Weitere Informationen:

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Leitet Herunterladen der Datei einBericht zur Präsentation des Epoxi-Bewertungssytems

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